Aktuell:
Hemer unter
Nothaushaltsrecht
Am 23.
März wurde im Rat der Stadt der Haushaltsplan für 2010 verabschiedet.
Der UWG-Fraktionsvorsitzende, Martin Dodt, gab folgende Stellungnahme
ab:
"Alle
Ampeln stehen auf grün", das war bis zum Ende des
Wahlkampfes immer wieder zu hören. Nach der Wahl macht sich Ernüchterung
breit. Jetzt kann es nur noch heißen: Alle Ampeln stehen auf grün zur
Fahrt in die totale Verschuldung der Stadt Hemer.
Ich erspare es mir,
in diesem Jahr auf einzelne Zahlen im Haushalt einzugehen. Bei einem
Defizit von 21,8 Mill. Euro in 2010 und prognostizierten zusätzlichen 57
Mill. Euro für die folgenden Jahre bis 2014 kann man nur von einem
Desaster sprechen. Das ist zum Verzweifeln! Aber genau das wollen und
dürfen wir aus Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen
gerade nicht.
Hervorgerufen wird
dieser Negativtrend einerseits durch stark fallende Einnahmen aus der
Gewerbe- und Einkommensteuer gegenüber den außergewöhnlich guten Jahren
2008 u. 2009, die in Hemer aber noch mit einem Defizit abschlossen.
Andererseits steigen die sozialen Leistungen und Jugendhilfekosten
bedenklich an.
Zusätzlich dazu hat
die Stadt Hemer noch die Investitionen für die LGS, die städtebaulichen
Begleitmaßnahmen und die Durchführungskosten der Landesgartenschau zu
schultern. Nach meinen Berechnungen kann der für den Haushalt relevante
Eigenanteil der Stadt die 30 Mill. Euro Grenze erreichen oder sogar
überschreiten. Aber wie der Bürgermeister sagt: abgerechnet wird zum
Schluss. Warten wir es ab!
Ein dritter Grund für
die defizitäre Haushaltslage liegt nach Ansicht der UWG darin, dass in
der Vergangenheit nicht konsequent gespart wurde. Ich erinnere an die 2.
Haushaltssicherung der Jahre ab 2003-2005: Die gefassten Sparbeschlüsse
wurden nicht umgesetzt. Lediglich das Kanalnetz wurde an einen
Eigenbetrieb verkauft. Wir nannten das damals einen Taschenspielertrick,
der zwar den Haushalt kosmetisch sanierte, der aber keinen Schritt in
Richtung sparsames Haushalten weiter brachte. Das Gegenteil war der
Fall: 2003 hatte die Stadt Hemer einen Schuldenstand von 60 Mill. Euro.
2007 waren es 80 Mill. Euro.
Der Nothaushalt ist
die gravierendste Einschränkung für eine Kommune. Handlungsspielraum für
Investitionen ist kaum vorhanden. Größere bauliche Maßnahmen sind nicht
mehr durchführbar.
Der BM hat in seiner
Haushaltsrede richtiger weise verkündet: ab 2010 müssen wir den Gürtel
enger schnallen. Wohl wahr! Die UWG empfiehlt das schon seit 10 Jahren.
Wie kommt man nun
mittelfristig aus solch einer misslichen Lage wieder heraus?
1. Wichtigster Punkt: es muss erheblich gespart
werden. Die Haushaltssicherungskommission ist einzuberufen und muss
frühzeitig in den Prozess eingebunden werden.
2.
Die Bürger müssen
besser über die Finanzsituation aufgeklärt werden. "Alles
im grünen Bereich, wir haben die Kosten im Griff",
vermitteln den Eindruck, hier geht noch was. Ich bin überzeugt, dass die
Bürgerinnen und Bürger notwendige Einschnitte akzeptieren, wenn die
Politik sie als Steuerzahler durch sachliche Informationen über die
Finanzlage der Stadt und notwendige Maßnahmen einbindet.
3.
Wir brauchen eine Gemeindesteuerreform, in der
eine verlässliche Finanzierung der kommunalen Aufgaben geregelt wird und
das Subsidiaritäts- und das Konnexitätsprinzip endlich Beachtung finden.
Das heißt, bei jeder Aufgabe, die den Kommunen vom Bund oder Land
zusätzlich auferlegt wird, ist klar zu stellen, wie sie finanziert
werden soll. Eine Gemeindesteuerreform wird allerdings nur zum Teil
unsere Probleme lösen.
4. Wir müssen weiter investieren in Gewerbe und
Industrie, es sind unsere stärksten Einnahmequellen.
5. Möglichkeiten der interkommunalen
Zusammenarbeit sind zu prüfen, und wenn preisgünstiger, auch umzusetzen.
6. Wir brauchen noch mehr ehrenamtliches
Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, die möglichst selbstständig
ihren Verantwortungsbereich übernehmen.
Dem Haushalt mit einem Defizit von 21,8 Mill. Euro kann
die UWG nicht zustimmen. Unsere Vorstellungen und Forderungen zum
sparsamen Umgang mit Steuergeldern sehen wir nicht ansatzweise erfüllt.
Die Planung lehnen wir aus demselben Grunde ab. Dem Stellenplan stimmen
wir zu. Er muss aber laufend und konsequent den veränderten
Gegebenheiten angepasst werden.
(Martin Dodt, 23.03.10)
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